Sebastian Haffners lange verschollener Roman wird zum Bestseller

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Mehr als 90 Jahre nach seiner Entstehung ist „Abschied“, ein Roman des deutschen Schriftstellers Sebastian Haffner, erstmals erschienen. Das 1932 verfasste Manuskript lag jahrzehntelang unangetastet im Deutschen Literaturarchiv in Marbach.

Jetzt steht das Buch auf den Bestsellerlisten und sorgt bundesweit für Aufsehen. Leserinnen und Leser fasziniert dabei nicht nur der historische Schauplatz, sondern auch die persönliche und emotionale Tiefe, die man in Werken jener Zeit selten findet.

Eine Liebesgeschichte vor wachsender Anspannung

Der Roman erzählt von Raimund, einem jungen Angestellten in Berlin, und seiner Beziehung zu Teddy, einer jüdischen Frau aus Wien. Die Handlung spielt 1931, in den letzten Jahren der Weimarer Republik.

Auf Berlins Straßen herrscht Anspannung, die politische Lage verschiebt sich, doch der Roman richtet den Blick nicht auf große Ereignisse. Stattdessen folgt er den Gesprächen des Paares, ihren Alltagsroutinen und leisen Sorgen und zeigt, wie gewöhnliche Menschen eine unsichere Zeit erlebten.

Der junge Haffner als Erzähler

Haffner, 1907 in Berlin als Raimund Pretzel geboren, war Mitte zwanzig, als er den Roman schrieb. Eigentlich wollte er Jurist werden, doch die politische Entwicklung machte diesen Weg unmöglich. 1938 emigrierte er nach England und legte sich zum Schutz seiner Familie den Namen Sebastian Haffner zu.

Jahrzehnte später wurde er durch „Geschichte eines Deutschen“ (englischer Titel: „Defying Hitler“) bekannt, ein eindringliches Memoir über seine Jugend im Aufstieg des Nationalsozialismus. Anders als dieses Buch verzichtet „Abschied“ weitgehend auf politische Kommentare und konzentriert sich auf das Gefühlsleben seiner Figuren.

Von seinem Sohn ans Licht gebracht

Oliver Pretzel, Haffners Sohn, stieß auf das unveröffentlichte Manuskript und bereitete es gemeinsam mit dem Rowohlt Verlag für die Publikation vor. Er erkannte darin etwas Besonderes: Ehrlichkeit, Schlichtheit und einen stillen Blick auf das Alltägliche. Für viele deutsche Leserinnen und Leser ist es eine seltene Gelegenheit, eine sanftere, jüngere Stimme hinter dem bekannten Journalisten kennenzulernen.

Warum der Roman heute berührt

Obwohl vor fast einem Jahrhundert geschrieben, wirkt „Abschied“ erstaunlich nah an unserer Gegenwart. Seine Themen – Liebe, Angst und die Suche nach Sinn – klingen bis heute nach. Während Deutschland über Vergangenheit und Gegenwart nachdenkt, erinnert dieser Roman daran, dass Geschichte nicht nur in der Politik, sondern auch in privaten Momenten entsteht, die das Leben der Menschen prägen.